Der Wolf auf dem Festival Mediaval

Der Geruch von verbranntem Feuerholz stieg intensiv in meine Nase, der Wind in den Blättern spielte eine leise Melodie, die Vögel riefen und Stimmen quatschten durcheinander. Ich drehte mich im Zelt um und merkte, dass etwas anders war: Nicht nur die Gerüche und Geräusche waren heute intensiver, auch der Boden fühlte sich anders an. Ich streckte meine Schnauze aus dem Zelt, schnupperte noch einmal und trat dann hinaus. Der Nebel verbarg meine Pfoten, ich konnte den frischen Tau auf dem nassen Gras spüren und kam näher an mein Rudel. Die Geräusche und Stimmen konnte ich nun verstehen, neben dem Holzgeruch kam auch der Geruch von Kaffee, Tee und leckerem Essen hinzu. Ich stibitzte mir etwas Bacon, genoss noch einige Kuschel und Krauleinheiten und machte mich dann unter lautem Jaulen mit einem Teil des Rudels auf den Weg nach oben zum Platz mit den Bühnen. Der Anstieg auf den Hügel verlief auf vier Pfoten sehr einfach, ja es machte richtig Spaß.

Oben angekommen war ich ganz irritiert von den ganzen Gerüchen, den Stimmen und beeindruckt von den Ständen. Aus der Ferne klangen ein paar interessante Töne, mit jedem Schritt den ich näher kam, wurden sie lauter und interessanter. Es waren die letzten Songs von The Moon and the Nightspirit. Ich jaulte, sprang wild umher, drehte mich, versuchte meinen Schwanz zu fangen und wirbelte zu den letzten Songs umher. Wow, was für eine tolle Band, vielleicht hätte ich doch früher den Weg aus dem Zelt und weg von den kuscheligen Menschen finden sollen? Ich lauschte den Klängen, fühlte mich frei, genoss den Geruch der Natur in der aufgewirbelten Luft und jaulte zum Abschluss nochmal für die Band, dass es über den ganzen Schloßplatz zu hören war.

Meine Pfoten trugen mich über den Sandboden, leicht tänzelnd hinüber über den Platz. Mein Fell spürte die Sonnenstrahlen, genüsslich, mit der Nase nach oben stellte ich mich vor die andere Bühne, natürlich an den Rand, da ich vor lauter großen Menschen sonst nichts hätte sehen können. Außerdem: Wer möchte schon bedrängt von Menschen werden, wenn er sich ausgelassen auf der Wiese bewegen kann? The Sandsacks traten auf die Bühne und sofort fühlte ich mich als sei ich in Irland, erinnerte mich an meinen letzten Besuch dort, die grünen Wiesen, die herrlichen Weiten und die Ruhe in der Natur. Ich sah die Berge, die Steine vor meinen Augen, konnte das frische Gras riechen und den Wind spüren, welcher durch mein Fell streichelte. Eine tolle Erinnerung, welche The Sandsacks mit ihrer Musik hervorrufen konnte! Zusammen mit meinem Rudel sprang ich im Kreis, wir liegen rechts herum, liegen in die Mitte und gingen dann zurück, um links herum im Kreis zu laufen. Mit schneller werdenden Musik wurden natürlich auch wir schneller und mussten aufpassen, dass wir nicht übereinander stolperten. Nach einigen Songs lösten wir den Rudelkreis auf und tanzten jeder für sich. Ich wirbelte umher, legte meine Pfoten um Ivy und wir zappelten im Kreis. Was ein Fest! Wippend, tanzend genossen wir die irischen Klänge, tranken dabei ein wenig und fielen am Ende als ein Wolfsknäul aufeinander, um uns auszuruhen. Was für eine tolle, harmonische Atmosphäre.

Nach ein paar Minuten erhoben wir uns wieder und ich schnupperte in der Luft, denn es roch so unheimlich anziehend in der Luft. Mit geschlossenen Augen zog es mich den Hügel hinauf zur Futtermeile. Hier vermischten sich also die wundervollen Gerüche von Fleisch, Curry, Gemüse und sonstigen Gewürzen. Selbst die Kartoffeln rochen zum Anbeißen. Langsam knurrte auch mein Magen, doch was sollte ich nur probieren? Ich stellte mich vor den Spätzlestand, wo ich tatschlich so hungrig ausgesehen haben muss, dass ich eine Portion mit Speck und Käse erhielt. Schnell aufgefuttert und die Schale ausgeleckt fühlte ich mich zugleich besser und merkte, dass mein Magen nicht mehr knurrte. Manchmal sollte ich wohl doch meiner Nase folgen und meinem Bauchgefühl nachgeben. Beim Fleischstand erhielt ich noch ein paar leckere Reste, welche die Menschen stets wegwerfen und als nicht gut genug sehen! Dabei sind doch gerade die Reste an den Knochen so wunderbar intensiv im Geschmack! Vollgefuttert suchte ich mir ein gemütliches Plätzchen vor der Schloßbühne neben dem Tonturm, legte mich auf die Grünfläche neben den Bänken, kuschelte mich ein und lauschte den Klängen von Demonia Nymphe. Die leichten Gesänge und Gitarrenlaute gaben mir ein wolliges Gefühl, mein Kopf sank auf meine Pfoten, mein Schwanz legte sich schützen um mich und meine Augen schlossen sich. Eine solch beruhigende Wohlfühlmusik tat mir gerade sehr gut, um ein Mittagsschläfchen zu nehmen.

Als ich erwachte war mein Fell von der Sonne ganz warm, die Blätter säuselten im Wind und der Boden unter mir war erwärmt. Ich sah einige Ameisen vor mir durch das Gras huschen. Mit einem Auge, sah ich wie große Seifenblasen in die Luft stiegen! Sofort setzte ich mich auf, lief zwischen den Menschen hin und her und schnappte nach diesen wunderbaren glitzernden Blasen! Wie wunderschön, ich wollte sie haben, alle! Da endlich, eine kleine auf meiner Höhe: Ich setzte zum Sprung an, schnappte die Blase und. fiel auf den Boden mit einem widerlichen Geschmack im Mund. Pfui, pfui, pfui, wie kann etwas so Wundervolles nur so ekelig schmecken? Menschen sind wirklich seltsam! Ich wandte mich dem Farbenspiel ab und richtete meine Augen auf die Bühne, denn ich konnte die Klänge nicht zuordnen. Meine Ohren hörten wunderbare Instrumente und eine so beruhigend zarte Stimme, doch vermochten sie nichts zu verstehen. Dann wurde es mir klar: es war schwedisch und finnisch! Natürlich konnte ich nichts verstehen, aber selbstverständlich genossen meine Ohren den Gesang! Denn jedes Wort hatte eine eigene Melodie, selbst wenn sie nur gesprochen wurden. Besonders angetan hat es mir der Song „Väktaren“, bei dem ich das Gefühl hatte zu schweben. Ich stelle mich auf die Hinterpfoten, drehte mich im Kreis, sprang von rechts nach links und wedelte freudig mit meinem Schwanz im Wind. Und nicht nur ich schien gute Laune zu bekommen und mich ganz von der Musik treiben lassen zu können, denn egal wohin ich schaute, die Menschen und Tiere hatten ein Lächeln auf den Lippen, teils die Augen zu und wippten zur Musik. Sie ließen sich treiben, bewegten die Füße nur zart über den Boden, wirbelten umher und waren im Einklang mit der Natur und den Klängen dieser zarten Songs. Zuvor hatte ich von der Band noch nichts gehört, doch von nun an wird Garmarna mir ein positiver Begriff sein. Eine so wundervolle Band sollte man stets in Erinnerung halten und ich hoffe, dass ich sie noch öfter live hören werde! Leise mitjaulend wirbelte ich noch wie in Trance im Kreis, taumelte etwas, bis ich mich wieder gefangen hatte und hörte, dass Fiddlers Green direkt im Anschluss auf der anderen Bühne spielten.

Meine Ohren stellten sich auf, hörten in der Ferne tatsächlich die Ansage von Fiddlers Green, neben vielen lauten Männerstimmen und mein Herz begann zu rasen: Denn irische Musik bewegt mich einfach sehr! Kurz geschüttelt, auf die Pfoten gesprungen, wollte ich loslaufen, doch das war schwieriger als gedacht, denn überall waren Füße und Menschen! So viele Menschen, welche ohne erkennbaren Grund durch die Gegend rannten, zusammen mit torkelnden Personen auf den Weg zur Taverne und wieder rum anderen, welche die Stallungen aufsuchten. Was für ein Chaos! Schlimmer als zur letzten Waldversammlung. Ich hatte das Gefühl im Bau zu sein, die Weibchen mit ihren ganzen Nachkommen auf der einen Seite, die hungrigen Jagdgenossen auf der anderen Seite und Meister Ratte, der gerade frische Beute von der Jagd mitbrachte. Natürlich liefen alle ungeordnet durcheinander und man musste aufpassen, nicht umgerannt zu werden. Zum Glück hatte ich etwas Übung im Slalomlaufen und schaffte es fast unversehrt vor die Bühne. Ok mein Fell glänzte nun von Met und Bier und etwas schwitzigen Menschengeruch hatte es wohl auch abbekommen, wodurch ich heute am Lagerfeuer sicher wieder lange mit meiner Fellpflege beschäftigt sein werde, aber zumindest waren es keine bleibenden Schäden.

Nun hieß es: Das Rudel finden und Spaß haben! Wir tanzten ausgelassen, pogten, spürten die Kieselsteine und das Gras unter den Pfoten, stupsten uns, bissen uns und genossen ausgelassen die Musik! Natürlich machte das Rudel auch bei „Rocky Road of Dublin“ mit, wir liefen kuschelig von rechts nach links, nutzen den Song um den Kontakt zu neuen Freunden zu erhalten und freuten uns unheimlich. Die große Herausforderung war hierbei jedoch unfallfrei von einer Seite zur Nächsten zu kommen, denn leider waren nicht alle Feiernden barfuß, so dass es zu dem ein oder anderem Hüpfer kam mit traurigem Jaulen dazu. Doch es war wieder ein Fest, einfach wundervoll zu sehen, dass man auf irische Weise feiern kann mit Schunkeln und Körperkontakt, ohne das es verletzte wie im Moshpit geben muss! Auch das Liveschauspiel mit den Bechern auf der Bühne war wieder ein Fest, irgendwie wartet man doch immer, dass ein Becher hinunterfällt und ich habe mehrfach überlegt, auf die Bühne zu springen und einen Becher aus der Luft wegzuschnappen. Hach das wäre ein Fest gewesen!  Wie immer ein tolles Programm von Fiddlers Green auf der Bühne. Ausgelassen jaulte das Rudel zum Abschied noch ein paar Mal, was wohl über den kompletten Platz bis hin zur Campsite zu hören war, wie uns später berichtet wurde. Kein Wunder, bei knapp 60 Wölfen! Es macht so glücklich, mit einer Family zu feiern und das Leben zu genießen und das auch noch draußen, an der frischen Luft in der Natur! Danke allen, für dieses wunderschöne Wochenende! Doch bevor es komplett zu Ende geht, lauschten wir dem rockigen Konzert von Schandmaul noch etwas.

Mittlerweile wurde es dunkler und zwischendurch regnete es auch kurz. Doch davon ließen wir uns nicht abhalten, denn letztendlich war Schandmaul die letzte Band, welche an diesem Abend auf der Schloßbühne zu hören war. Leider konnten die Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, denn zwischen der rockigen und der akustischen Konzertversion vom anderen Tag war kaum ein Unterschied zu hören. Selbst die Setliste war sehr ähnlich. Wenn man jedoch davon absah, so war die Stimmung super. Als Abgang für das Festival Mediaval in Selb immer noch sehr nett. Doch viele Brüder und Schwestern verzogen sich bereits zurück zum Feuer, da es kalt wurde und viele Songs bereits schon beim Akustik Auftritt gespielt wurden. Was sehr schön anzusehen war, war die Tatsache, dass die Tochter auf der Bühne bei fast jedem Song mitsingen konnte. Zum Abschluss des Abends machte ich noch eine Runde hinter die Bühne, wo ich auf einige bekannte Bandmitglieder stoß, noch gemütliche Gespräche hatte, lachte und Kontakte austauschte, bis es dann hieß, byebye zu sagen. Mit einem lachendem und einem traurigen Auge rannte ich ausgelassen, springend und wirbelnd noch ein letztes Mal zwischen den Ständen umher, jaulte über den Platz, verabschiedete mich und genoss dann noch ein paar letzte Krauleinheiten im Lager am Lagerfeuer. Schnupperte die Gerüche, pflegte mein Fell und ließ die gesamte Situation auf mich einwirken. Diese Bilder und Eindrücke werde ich noch sehr lange in Erinnerung halten. Danke Wolfsrudel! Danke für eine wunderbare Zeit. Awooooooooooooo. Noch lange hallten die Wolfsrufe durch die Nacht und zeigten mir, dass ich hier ein neues Zuhause gefunden hatte! Auf bald, ich vermisse euch schon jetzt!

~ Dely

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Mittelgroßer Mittelaltermarkt in Stove mit gemütlichem Flair

Am Wochenende wurde die Landschaft am Deich in Stove wieder in ein mittelalterliches Flair getaucht, denn vom 21.-23.September fand dort das Elbspectaculum zu Stove statt. Nur 37 km von Hamburg und 8 km von Geesthacht entfernt konnte man den Klängen von Waldkauz und den Vertriebenen lauschen und sich von Robert Blake, SSK und den Feuerkünstlern unterhalten lassen.  Der Mittelaltermarkt wird von den Marktvagabunden ausgetragen, was man zugleich an der Atmosphäre merkt, denn alles ist etwas kleiner, weniger kommerziell und es gibt viele verschiedene Händler und Heerlager, wo man das Lagerleben aber auch verschiedenen Handwerkern bei der Arbeit zusehen kann.

Aufgrund des typisch hamburgischen Wetters mit Nieselregen und kaltem Wind, schaffte ich es leider erst Sonntagmittag auf den Markt. Kaum war ich vor Ort, habe ich es schon bereut nicht schon früher angereist zu sein, denn die Stimmung war so schön entspannend und familiär. Kaum betrat ich den Markt, traf ich auch schon die ersten bekannten Gesichter. Die Idee, dass ich den Markt in einer Stunde kurz anschauen kann, um dann pünktlich zu Waldkauz an der Bühne zu sein, war zugleich dahin. Ein paar nette Gespräche reihten sich an die nächsten, es wurde gelacht, geschwatzt und Tipps über Händlerstände ausgetauscht, bis es dann schnellen Schrittes zur Bühne ging. Dort stimmten Waldkauz schon ihre Instrumente, um pünktlich zu starten. Zum fünften Male spielten sie in Stove bereits, was wohl doppelt zu feiern war, da die Band dieses Jahr auch ihr fünfjähriges Bestehen feiert. Neben ein paar ruhigen Balladen und gesangfreien Pagan Songs spielte Waldkauz auch einige neuere Songs, wo ich definitiv die Füße nicht stillhalten konnte und zusammen mit Freunden und Fremden wild auf der Wiese umher sprang. Schon nach kürzester Zeit konnte ich den Wind und das herbstliche Wetter vergessen. Bei trockenem Wetter wurde mir durch das Tanzen richtig warm, so dass ich die dicke Kleidung ablegen und richtig ausgelassen und frei tanzen konnte.

Bei ihrem bekannten Song „Tanzgeist“  bildete sich ein Kreis, bei dem ich natürlich mitmachte und wir dann gemeinsam gemäß der Musik im Kreis tanzten, handhaltend und richtungswechselnd zur Musik. Ich war nur etwas verwundert, dass es nicht in die Mitte ging vor den Richtungswechseln, aber man kann ja auch einen unterschiedlichen Tanzkreis machen. Aufgewärmt, zufrieden und ausgelassen zog ich mich nach dem letzten Song wieder herbstlich an. Schade eigentlich, dass die Bands immer nur 45 Minuten spielen können und danach eine Umbaupause stattfinden muss. Ich würde am liebsten durchgehend tanzen und mich der Musik hingeben.

In der Umbaupause startete ich einen erneuten Versuch, den Markt zu erkunden und blieb direkt beim Knopfhändler hängen. So wundervolle Knöpfe, die für fast jeden Einsatz nutzbar sind: Als Ring, als Kettenschmuck, als Brosche, für Arm- & Halsbänder, als Ohrringe und vielen mehr. Zudem ist die Auswahl so groß, dass hier jeder auf seine Kosten kommt. Gleich nebenan stand die Drachenmutter mit ihrem Stand der Drachensteine. Wundervolle Natursteine, geordnet nach Farbe und Art und in tolle Ketten eingefasst. Ein Stand war hier fesselnder als der Andere auch die Lederhändler hatten einzigartiges Handwerk zu bieten. Zudem gibt es in Stove immer wieder den Namenswissenden, welcher aus diversen Recherchen, Erfahrungen und schreiben ein Wissen über alle Namen der Welt und dessen Herkunft besitzt. Eine Namensurkunde, handgeschrieben, kann man bei ihm auch erwerben. Nur selten kann man diesen Händler auf den Märkten sehen, da er eher zurückgezogen und rar ist. Doch Stove ist einer der Märkte, auf dem er jedes Jahr wieder zu finden ist. Des Weiteren konnte man Natix vorfinden, ungewohnter weise ohne das bekannte Häuschen aber dennoch mit einer großen Auswahl aus gestricktem Schmuck. Auch einem Bogenbauer konnte man bei seiner Arbeit zusehen und zugleich Fragen stellen, denn Olaf verkauft selbstgemachte Bögen und versprach, sich in diesem Winter auch den selbstgemachten Recurvedbögen zu widmen. Ich bin gespannt, mit welcher Vielfalt an Bögen ich Olaf nächstes Jahr besuchen kann. Denn ein Bogenbauer, der mittelalterliche, handgefertigte Bögen baut und seine Erfahrung aus deutschen Wettkämpfen mitbringt ist heutzutage eine Seltenheit, besonders auf Mittelaltermärkten.

Beim weiteren Schlendern setzte mal wieder der Regen ein, so dass mir der Stoffladen gerade recht kam. Nicht nur, dass man unter dem Dach der Händlerin trocken stand, die Auswahl an Stoffen war überwältigend. Leinen Stoffe, Wolle, Schurwolle, Kaschmir und Mischgewebe: Nach Sorten sortiert, gab es hier Stoffe für faire Preise. Außerdem hing ein Schnittmusterbuch aus, so dass man bei Unsicherheit direkt fragen konnte, wie viele Meter für welche Schnittmuster benötigt werden. Auch über die Begebenheit und Machart der Stoffe konnte ich hier einiges lernen, es ist wirklich selten, dass Händler so viel Wissen zeigen, wie auf dem Elbspectaculum zu Stove. Aufgrund des Wetters konnte ich mich an jedem Stand ausgiebig über das Handwerk und die Ware unterhalten und mich wirklich gut beraten lassen. So flog die Zeit quasi weg und ich konnte die letzten Heerlager nur im schnelldurchlauf ansehen. Da eine Band nicht auftrat, spielten Waldkauz schon früher auf der Bühne und bei den ersten Klängen eilte ich zurück zur Bühne, ohne mich weiter aufhalten zu lassen.

Mit einer ähnlichen Setlist wie schon zum Mittag verzauberte Waldkauz auch um 16:30 Uhr wieder das Publikum und bewegte die Menge mit ihren Klängen. Auch dieses Mal gab es wieder einen Tanzkreis, bei dem ausgiebig getanzt wurde. Die Schwierigkeit bestand dieses Mal darin, das sitzende Kind beim Zurückgehen aus dem Kreis nicht umzulaufen, denn der Junge saß  stur auf seinem Fleck und vertraute auf die Tänzer. Als sie fertig waren, musste ich mit meinen Gedanken aus der Welt der Natur und des freien Tanzens wieder aufwachen und drehte noch eine letzte Runde über den Markt, denn leider wurden am Sonntag um 18 Uhr die Tore geschlossen und die Aussteller durften ihre Zelte und Stände wieder abbauen.

Viele Darsteller beendeten mit diesem Markt ihre Saison, weswegen ich noch schnell Nuwo besuchte. Sie ist eine der bekannten Brettchenweberinnen hier im Norden, die von den verschiedenen Stilrichtungen sehr viele Kenntnisse hat und ich so endlich meine authentische Vikingerborte bei ihr bestellen konnte. Neben der Bestellung, nahm ich noch eine Restborte mit und konnte bei der selbstgemachten Marmelade nicht wiederstehen, somit werde ich beim nächsten besonderen Anlass die Bananenmarmelade testen. Zufrieden und glücklich wollte ich um 17:50 Uhr den Markt verlassen, als ich noch eine Drachenbartperle erblickte, welche die letzte ihrer Art an dem Stand war. Nun war ich endgültig bereit den Heimweg anzutreten, musste aber beim nächsten Schmuckstand doch noch kurz halt machen, einige Schmuckstücke betrachten und mir eine Visitenkarte mitnehmen, damit ich eine Sonderbestellung aufgeben kann. Schon bald werde ich wohl eine weitere Kette haben, die dann nur für mich angefertigt wurde. Auch erfuhr ich, dass in Lüneburg nächstes Wochenende ein weiterer Marktvagabunden Markt aber ohne Heerlager geöffnet wird und dass im Heide Park Soltau schon bald ein Mittelalterbereich für 3 Wochen aufgebaut wird. Schon fast war meine Trauer, dass dies der letzte Markt der Saison sei, wie vom Winde verweht. Der Nieselregen wurde ignoriert und ich tänzelte leichten Fußen rüber zum Auto und trat den Heimweg an.

Für mich ist Stove immer wieder ein kurzer Trip der Erholung, nach dem ich sehr entspannt und fröhlich durch die Wohnung tanze. Danke euch allen, für die schöne Zeit, die Musik, die Gespräche und natürlich die gute Laune. Ich freue mich auf nächstes Jahr mit euch!

~Dely

Zur Website: Elbspectaculum zu Stove

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Freiheitsgefühl in Selb auf dem Festival-Mediaval

Nach knapp 3 Wochen Dauerarbeiten ging die Reise am Donnerstag den 6.September 2018 früh los zum Festival-Mediaval, um dort die Batterien aufzuladen, das Wolfsrudel kennen zu lernen und ein paar großartige Tage im Mittelalter zu verbringen. Das schöne und besondere am Festival-Mediaval sind für mich die Menschen und die Atmosphäre, da von dem Händler über die Securitys bis hin zur WC-Dame allesamt so freundlich sind. Laut dem Veranstalter Blacky liegt es daran, dass er von oben versucht, diese Lebensfreude die er hat an all seine Angestellten, Ehrenamtliche, Händler und sonstigen Involvierten weiter zu geben, so dass am Ende alle gern auf das Festival gehen und sich dort wohl fühlen und einige Tage Spaß haben können.

Und ja, diesen Ansatz merkt man durchaus bei jedem, der sich darauf einlassen mag. Was mich weiterhin so an dem Festival reißt ist die Tatsache, dass ich wenige Bands kenne und immer wieder überrascht bin, welche großartigen Bands es international doch gibt, von denen ich noch nichts gehört habe. Ich stieg also Donnerstag früh morgens um 5 Uhr in die Bahn, um nach 6 Stunden Fahrt in Selb anzukommen und mich ganz auf das Festival einzulassen.Was mir jedoch schnell passiert, wenn ich von etwas begeistert bin und zugleich meine Leidenschaft dadurch ausdrücken kann ist folgendes: Die Worte fließen nur so aus mir heraus, die Texte werden immer länger und detaillierter und die Ideen sprießen. Also könnt ihr das Festival nun aus meiner Sicht auf knapp sechs Seiten lesen…. Und dann werdet ihr merken, dass der Sonntag fehlt, denn für den Sonntag habe ich mir noch etwas Besonderes überlegt: Wer so viele Tage in einem Wolfsrudel lebt, der wird schnell selbst zu einem Wolf! Daher gibt es den Artikel zum Sonntag auf dem Festival-Mediaval etwas später aus der Sicht eines frisch geborenen Wolfes, welcher sein erstes Mittelalterfestival erlebt! Seid also gespannt….

~Dely

Freitag

Ein Wolfsgeheul klingt durch die Ruhe des Tages, der Regen tropft noch ein wenig und der Wind rauscht durch die Blätter. 7:00 Uhr morgens in Selb auf dem Festival-Mediaval, auch das Nebenlager ist schon wach und frühstückt mit den Kindern, während sie ihnen wichtige Festivalgrundlagen erklären. Wäre es nicht so gemütlich und der Regen so schön anzuhören, wäre ich sicher direkt aufgestanden. Doch so bleib ich liegen, lauschte den Geräuschen und schlief nochmal ein. Gegen 9:00 Uhr erwachte ich dann erneut, nun erwärmte die Sonne auch langsam das Zelt und die ersten Feuer brannten, so dass es nach herrlichem Feuerholz in den Camps roch. Kurz in meine Gewandung geworfen, den neuen Lederhut aufgesetzt und zum Feuer gewandert, so begann mein Tag an diesem wunderbaren Freitag. Ein begrüßendes guten Morgen gejaule erhielt ich vom Rudel, als ich mich in die Runde gesellte und die Atmosphäre genoss.  Kurz darauf wurde der Tagesablauf geplant: Geld holen, Essen kaufen und zur ersten Band gehen. Plan gefasst, Plan ausgeführt und pünktlich zu Heiter und Folkig um 14:45 Uhr an der Schloßbühne angekommen Getanzt, gelacht und die Stimmung genoßen, was ein schöner Festivalauftakt! SO langsam kam auch die Sonne heraus, so dass ich mit warm getanzten Füßen zunächst über die Stände schlenderte, mich drehte, wirbelte und bei der Krämerey altbekannte Gesichter traf. Diese leckere Krämerei hat vielfältige Sorten von Mandel, Lakritze und Karamellspezialitäten, welche sehr zu empfehlen sind. Nach einen paar netten Worten vielen wir schnell in alte Erzählungen, für mich stand fest, diese Leute sind nicht nur freundlich und nett, ich muss später definitiv mit Bargeld nochmal wieder kommen und mir einige der Lakritze gönnen.

Nun hatte ich schon einige Bands verpasst, do dennoch kam kein Gefühl der Enttäuschung oder des Stresses auf, viel mehr fühlte ich mich frei und glücklich. Ich gönnte mir einen Guaranawein, mit welchem es dann zurück zur Schloßbühne ging, um die zweite Band von Corvus Corax zu hören: BerlinskiBeat. Ein lustiger Haufen, wenn man vom ostdeutschen Dialekt absieht, welcher diverse Anspielungen zur Hauptband machte, aber dennoch sehr andere Musik. SO gab es Sätze wie: Heute mal in schick und raus geputzt für euch! Genau so klang auch die Musik, irgendwie etwas nobler, mit mehr Gesang aber dennoch witzig. Ein ganz eigener Humor, welches die Band versprüht, zum Aufheitern und Amüsieren.

Nach einer Umbaupause sollte Omnia der Menge einheizen, jedoch find es ca. eine halbe Stunde vor ihrem Auftritt in Strömen zu gießen. Zum Bedauern von uns wartenden Fans: Eben noch gute Stimmung, Sonnenschein und Wärme, so dass man sich wartend in die ersten Reihe vor die Bühne stellte so platzte der Himmel plötzlich auf, es schüttete so stark, dass in wenigen Sekunden alle durchnässt waren. Dank meines neuen Lederhuts blieb ich davon verschont, doch alle um mich herum hatten nass klebende Kleidung an, wodurch die Fans frierten und beim Regen nicht mehr zu trocknen vermochten. Auch Omnia hatten ihre Problematiken mit dem Wetter hatten, da die akustischen Instrumente sich mit der Nässe & Kälte verstimmten und neu gestimmt wurden mussten, wodurch sich der Beginn des Konzertes verzögerte. Frierend im Regen standen die Fans , riefen nach dem Beginn des Konzertes und harrten auf ihren Plätzen aus.. das sind Fans, Fans die auf die Sonne hoffen und dem Wetter trotzen, nur um ihre Band zu sehen. So auch die Fans von Omnia, welche trotz dem Regen ihren Mut nicht verloren und beim Ertönen der ersten Klänge  sofort wieder ihre Lebensfreude aufblühen ließen und keinem zu zeigen, wie ungemütlich es doch eigentlich war. Ich stand in der zweiten Reihe, konnte die Gesichter der Band sehen und somit auch die neuen Mitglieder, die auf der Bühne standen. Was eine wunderbare Ergänzungen mit den zwei weiteren Vocals, welche sich auch Outfittechnisch an Omnia angepasst hatten. Traditionell wurde die Bühne zunächst gesegnet, bevor der Auftritt richtig los ging und Jenny verzauberte mit ihrem Lächeln und dem Hafenspiel ebenso, wie Steve mit seinem Gesang, Outfit und Tanz. Man sah, wie die Menge sich treiben ließ, die Musik in Form von Klängen durch die Luft schwebte, die Menschen berührte und einen Schleier über sie legte. Ein Gefühl der Freiheit bewegte sich zwischen den Fans, als wären sie alle Bäume oder Flüsse, Teile der Natur die sich zusammen fügten und doch jeder für sich einzigartig dahin lebte. Die Bühne und die Fans verwandelten sich in einen Wald voller Klänge der Natur, man bewegte sich geschmeidig hindurch und doch bewegte man sich nicht von der Stelle, Omnia schaffte es mal wieder, dass man alles vergessen und sich frei tanzen konnte. In jedes Gesicht, welches man blickte, konnte man eine Ruhe und Entspannung sehen und ein freies Lächeln. Die Blätter der Bäume bewegten sich im Takt, die Sonne kam mittlerweile raus und das Bühnenspektakel war großartig anzusehen. Neben den sanften Klängen auf der Harfe von Jenny klangen die Trommeln, die Rasseln und viele weitere Instrumente durch den Abend. Besonders atemberaubend fand ich die neue Endszene, wo Sara die Macht über die Trommeln übernahm und mit Gebrüll auf der Stage dem Song nochmal eine neue Macht verlieh. Danke für dieses großartige Konzert und den wundervollen Abend! Es war ein Fest, bei dem jeder ein Teil der Natur sein konnte, ein Gefühl, was Pagan Bands durch ihre Klänge durchaus besser erwecken können, als andere Bands.

Trotz des warmen Gefühls beeilten sich die Fans nach dem Konzert, um auf die Campsite zu kommen und sich trockene Kleidung anzuziehen. Dem Rudel folgend lief ich ebenfalls mit hinunter, nutzte die Zeit um mir warme Kleidung und Schuhe anzuziehen und mich auf das Wetter vorzubereiten. Mit einem trockenen, fröhlichen Rudel ging es unter tobendem gejaule wieder zurück auf den Platz, wo nun auch schon die ersten Klänge von Faun ertönten. Faun ist für mich eine Band, bei der man immer anfängt zu träumen, da die Klänge so sanft und ruhig sind. Gerade nach Omnia passt Faun super für das bereits eingestimmte Publikum. Die weiche Musik, der fanatische Gesang und die abgestimmten Töne ergeben ein kunstvolles musikalisches Bild, bei dem man sich wohl fühlt und sich tänzelnd in der Menge bewegt. Schade, dass diese befreienden Konzerte nicht die ganze Nacht gehen können. Schon bald war der Bann gebrochen und Faun musste von der Bühne. Viel zu schade eigentlich, dass es zwischen den Bands immer zu einer Umbaupause kommen muss. So versuchte ich wohl wie viele andere Besucher, das Gefühl der ruhe und Ausgeglichenheit zu bewahren, viele verschwanden in die Nacht oder an die Taverne, während ich zur anderen Bühne rüber wanderte.

Ich gestehe, dass ich es nicht sonderlich eilig hatte zu Euzen zu kommen, da ich die Songs, welche ich bisher auf Spotify gehört hatte, nicht sonderlich toll fand. Doch meine Stimmung war so gut, dass ich ihr live noch eine Chance geben wollte. Kaum war ich vor der Bühne, ertönte die großartige Stimme der Euzen-Sängerin. WOW, ich stand dort mit offenem Mund und vermochte meinen Ohren nicht zu glauben. Was für eine Stimme! Kaum zu glauben, dass ich von dieser Band bereits Songs gehört hatte, denn live könnte der Unterschied nicht größer sein.  Ich war nicht nur überrascht sondern direkt in den Bann gezogen und konnte gar nicht anders, als dieser Stimme bis zum Ende des Konzertes zu lauschen und mich ihr ganz hinzugeben. Dies schien ich in meinem Tanz auch aus zu strahlen, denn ich bekam diverse Komplimente, wie sehr ich strahlen würde und wie wunderschön ich doch im Sternenschein aussehen würde. Wenn Musik Menschen verzaubern kann,m dann gehört Euzen definitiv dazu. Die Band überraschte mich so sehr, dass sie mir noch bis tief in die Nacht in Erinnerung blieb. Die Kälte merkte ich kaum, als ich gegen 2 Uhr zurück in mein Camp wanderte, mich zum Wolfsrudel an das Feuer geselllte und die Nacht noch mit angenehmen Gesprächen und einigen Flauscheinheiten ausklingen ließ. Total geflashed von den ganzen Eindrücken kuschelte ich mich bald in meinen Berg aus Decken ein und träumte von Waldwesen, Wölfen, der Natur und wundervollen Naturschauplätzen, welche meine Gedankenwelt erschuf.

Samstag

Nass tropft der Regen von den Zelten, ein leichter Wind weht durch die Baumkronen und die ersten Sonnenstrahlen erwärmen den Boden: Höchste Zeit sich fertig zu machen und auf den Markt zu gehen, welcher ab 11:00 Uhr seine Tore öffnet. Die Ruhe vor dem Sturm genutzt, schlenderte ich eine Runde an den Ständen vorbei, welche am Morgen schön leer sind, so dass man richtig gut stöbern und mit den Händlern ins Gespräch kommen kann. So viele nette Menschen, welche seit Jahren ihren Stand pflegen und für alle Fragen offen sind.

Um 11:30 beendete ich die Marktrunde, da PurPur begann und eine Handvoll eingefleischter Fans bereits vor der Bühne verharrten und wirklich jeden Song in der ersten Reihe mitsingen konnten. Dahinter begannen Neugierige und Frühaufsteher sich zu sammeln und mit dem Gesang zu wippen. Purpur ist eine sehr natürliche, menschliche Band, ihre eher unprofessionelle Art macht die ganze Show so schön zugänglich und gibt einen ganz besonderen Charm. Die Klänge und der Gesang animieren zum Schunkeln, so dass man nicht lange stehen kann, ohne sich zu bewegen. Ein schönes Schauspiel, wenn die Menge wippt und die Sonne sich immer wieder am Himmel zeigt, um ihre Sonnenstrahlen über die Besucher tanzen zu lassen. Fast schon schade, das PurPur nach ca. einer Stunde von der Bühne musste. Gerade eingetanzt und in Begleitung der Sonne führte mein Weg hinüber zur Schloßbühne zu Pampatut.

Auf dem Weg dorthin erblickten meine Augen noch eine wundervolle Lederkette, mit zwei Drachenköpfen, an welcher ich nicht vorbei gehen konnte. Kurz anprobiert, im Spiegel betrachtet, verliebt und mitgenommen das Schmuckstück. Welch eine wundervolle Kette, die nun in der Sonne blitzte und so filigran geschmiedete Drachenköpfe. Der Handwerksstand hat noch viele weitere Schmuckstücke sowie Holzdekorationen, Handgearbeitete Figuren, Bilder, Dekogegenstände , welche nicht nur wunderschön sondern auch erschwinglich sind. Merkt euch gern den Namen „Windalf“, wenn ihr keltische und mittelalterlichen Schmuck und Holzschnittkunst sucht.

Mit meiner neu gewonnenen Kette schritt ich nun voller Stolz und mit der Sonne im Rücken zur Schloßbühne, um dem Konzert von Pampatu beizuwohnen. Kaum angekommen, sah ich auch schon das Wolfsrudel, mein Lagercamp auf dem Festival-Mediaval am Tanzen. Das Wolfsrudel ist stets leicht zu erkennen: Eine Gruppe tanzender, lachender und durchaus verrückter Menschen, die man schon von weitem durch ihre Ausstrahlung und gejaule erkennt. Fröhlich geknuddelt und begrüßt wurde zugleich weiter die Natur und die Freiheit beim Tanzen genossen. Ich persönlich höre Pampatu ja nicht gerne auf CD, da mir die Zwischensequenzen mit den Dialogen nicht so sehr gefallen, doch live machen gerade diese Dialoge und Anspielungen sehr viel Spaß und heitern die Stimmung auf. Ob Aussagen zum Publikum vor der Bühne „Bei dir stehen ha nur so viele Leute, weil sie dort schneller wieder flüchten können“ oder die Aussage, dass die „Bafög Personen intelligenter seien als die Säufer“, man muss zumindest schmunzeln. Die Scherze der Bühnenshow sind zumeist dieselben, bringen jedoch jedes Mal wieder ein Lächeln oder ein protestierenden Ausdruck auf die Gesichter der Menschen.

Geile Stimmung, tolle Musik und dazu der Sonnenschein, also Schuhe ausziehen und Barfuß die Musik genießen, sich im Takt bewegen, von der Sonne treiben lassen, die feuchte Erde unter den Füßen spüren, warme Sonnenstrahlen im Gesicht spüren und das Gefühl der Freiheit genießen! Ein Gefühl, welches so unbeschreibbar schön ist, dass man es kaum in Worte fassen kann. Freiheit, Glück, Unbeschwertheit und das mit Freunden und unterhaltender Musik. Wer es sich nicht vorstellen kann, sollte definitiv häufiger auf solch wunderbare Veranstaltungen gehen und leben!

Doch genug geschwärmt, kaum ist die Band zu Ende geht es leichten Fußes nach einem kurzen Gang zur Taverne, um den Krug zu füllen vor die nächste Bühne. Aufgrund der guten Stimmung und den vielen Menschen die man auf dem Weg trifft, geht die Zeit immer schneller vorbei als man denkt. Und schon steht die norwegische Band Poeta Magica auf der Stage. Eine großartige Stimme verzaubert mit lieblichem Gesang. Eher ruhiger, sinnlicher wird man hier auf Schwedisch und Norwegisch verzaubert. Mit jedem Schritt kann man die Erde unter den Füßen fühlen und hat Zeit, die Äste, Blätter und das Graz wahrzunehmen. Leichtfüßig tänzeln die Menschen, meist leicht schunkelnd teils schneller wirbelnd. Musik, die einen bewegt auch wenn die Sprache etwas gewöhnungsbedürftig ist und ich absolut nichts verstanden habe. Danke, dass ich euch sehen, hören und zu euren Klängen tanzen durfte, es war als wäre ich im Wald und würde durch die Gegend der Lichtung entgegen springen.

Ganz verzaubert statte ich danach der Band Horch einen kurzen Besuch ab, bevor es zu einer kleinen Entspannungspause für mich kam. Nach so viel Freude und Tanz suchte ich mir einen Platz in der Sonne, nicht weit entfernt von der Schloßbühne, spürte den warmen Rasen unter mir, hörte den Wind in den Blättern zu, lehnte mich nach hinten und schloss die Augen. Für ein paar Minuten genoss ich die Auszeit und gab mich der Natur hin. Verträumt gingen so einige Minuten um, bis die ersten Töne der deutsch, italienischen Band Cara ertönten. So schnell kann die Zeit also vergehen, wenn man in der Natur entspannt. Es war bereits 16:30 Uhr, die Sonne schien noch und das Tanzen zu sanften klängen der anderen Wölfe inspirierte mich, doch aufzustehen und mich zu bewegen. Einige Besucher machten Seifenblasen, was sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen amüsierte. Sie glitzerten in der Sonne und waren vergleichbar mit funkelnden Diamanten die in der Luft schwebten.

Ich spüre den Boden unter den Füßen, das Gras kitzelt leicht, die Sonne wärmt mein Gesicht und ich ließ mich von dem Takt der Musik treiben. Ganz von selbst bewegte ich mich zu den lieblichen Klängen der Flöte und genoss den Platz, um mich zu drehen und zu bewegen. Ein Song folgte dem Nächsten und die Zeit verging im Fluge, mit jedem Schritt, den ich auf den Waldboden machte und mich auf dem Rasen drehte und den Wind spürte. Schon schade, dass es bis zum Schandmaulkonzert noch eine Wartezeit gab, am liebsten hätte ich direkt ohne Pause weiter getanzt, doch dies ist ohne Musik nicht ganz so aufregend. Was also mit der Pause machen? Einen schönen Guaranawein holen, nochmal durch die Stände schlendern und fasziniert vor den Handwerksständen und Kleidungsläden stehen bleiben. Ob es eine gute Idee war? Denn plötzlich verging die Zeit wie im Fluge, das Stöbern musste ich beenden, die Bluse wieder zurück gehängt werden und der Weg zur Bühne wurde im Laufschritt genommen. Schließlich wollte ich das Akustikkonzert ganz erleben und nicht erst die Hälfte.

Zu Beginn des Konzertes wurde auf die Bar auf der Bühne hingewiesen, da ein Akustikkonzert erfahrungsgemäß am Lagerfeuer bei einem Bier stattfindet.  Doch was bringt eine Bar mit Bier, wenn die Bandmitglieder Musik spielen und nicht trinken können? Leider nichts, richtig! Deshalb suchte sich Schandmaul vier Personen aus dem Publikum, um sie an der Bar sitzen zu lassen und mit Bier das Konzert von der Bühne aus zu genießen. Leider war einer der Fans zu besoffen, so dass er durch einen kleinen Jungen aus dem Fotograben ersetzt werden musste. Dieser freute sich so sehr, dass  man selbst lächeln musste, als er stolz auf den Barhocker kletterte und von dort aus bis über beide Ohren strahlte. Neben zwei Geburtstagskindern war noch ein Wandergeselle mit auf der Bühne, welcher sich natürlich vorstellen musste und dies überragend gut machte. Unter lautem Jubel wurde die Stage dann mit dem ersten Song von Schandmaul eröffnet und riss natürlich sofort die Menge mit. Neben der Teufel hat den Schnaps gemacht und euch zum Geleit gab es eine bunte Mischung aus alten und neuen Songs sowie einigen Balladen, bei denen das Publikum mitsang und sich dazu bewegte bis Schandmaul mit ihrem Abschlusssong Walpurgisnacht die Bühne verließ. Die warme Atmosphäre hielt sich noch lange in der Luft, schön zu wissen, dass Schandmaul mit ihrem rockigen Konzert am nächsten Tag nochmal die Bühne betreten wird. Ein berauschendes Fest, welches unter dem glitzernden Sternenhimmel ein passendes Ende fand. Nun wurden die Füße in die Hand genommen, wodurch ich die Zugabe leider nicht mehr mitbekommen habe, ein kurzer Gang zum WC, der Krug mit neuem Wein gefüllt und ein Platz in der Menge vor Versengold gesucht. Wie gewohnt, lieferten diese ihr Standardprogramm ab. Es war stimmungsvoll und mitreißend und interessant, dass sie ihre Setliste kurz vorher noch an das Publikum angepasst hatten. So wurde die Weltuntergangskugel wieder in die Menge geworfen und Songs wie Feuergeist, Hoch die Krüge und natürlich die drei Weiber gespielt. Eine tobende Menge konnte die Lieder mit singen, nur bei ihrem neuen Song über die Götter wurden die Stimmen merkbar leiser. Hier fehlt wohl noch etwas die Übung, da der neu Song erst sehr selten auf den Konzerten gespielt wurde. Mit einem Abschiedsfoto wurde auch dieses Konzert unter dem Sternenhimmel in tiefer Nacht beendet. Nun wollte ich die Nacht eigentlich chillig in Ruhe ausklingen lassen, doch der kurze Besuch im Backstage wurde dann doch länger als gedacht. Auf alte Freunde treffen und die Empfehlung bekommen, dass das Abendprogramm mit den Künstlern Alan Stivell und Carlos Nunes definitiv sehenswert ist, führte zu einer langen Nacht, mit viel Tanz, Gesang, Lachen und unglaublich interessanten Gesprächen. Die Eindrücke und Konzerte der Künstler waren wirklich  berauschend, Alan weiß definitiv, wie man Flöte spielt und auch das Geigenspiel sowie das Trommeln von Carlos war herzerwärmend. Hinzu kam eine wunderbare Überraschung von Omnia, so trugen Jenny und Steve ein deutsches Gedicht für Carlos vor, welches stark bejubelt wurde. Ein Gedicht über die Natur und das Da sein eines selbst.

Am Ende der Show tanzten Künstler zusammen mit Fans und Fotografen auf der Bühne: ein wunderschönes buntes Bild, welches selbst Blacky Tränen in den Augen brachte. Mit so vielen tollen Menschen einen solchen Abschluss auf einem großartigen Festival zu erleben zeigt einem wie wertvoll das Leben doch ist. Diese nicht endende Party endete in diversen Afterpartys an den Tavernen, im Backstage und in den Heerlagern.

~Dely

www.festival-mediaval.com
Zum Sonntag (Wolfssicht)

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Mittelalter zum Mitmachen im Süden: Das Festival-Mediaval XI

Kulturelle Mischung an Bands, diverse Mitmachworkshops, Kleinkunst, Akrobatik, Händler und mittelalterliche Speis und Trunk erwartet euch auch dieses Jahr wieder in Selb auf dem Festival-Mediaval! Neben Omnia, die sich dem Festival verschrieben haben, hört die Liste an fantastischen Bands kaum auf: Subway to Sally, Schandmaul, Versengold, Elfenthal, Qntal, Faun, Euzen, And Then She Came, Corvus Corax, Daemonia Nymphe, Alan Stivell & Carlos Núñez, Capella Bardica, Fiddler`s Green und viele mehr. Es wird also abwechslungsreich, feurig und spektakulär.

Im Gegensatz zu vielen anderen Festivals dieser Art, gibt es nicht so viele Herrlager, die an gemeinschaftlichen Pflichtterminen teilnehmen müssen, viel mehr können sich die Darsteller über Workshops und Shows selbst in Szene setzen. So erwartet die Besucher ein ausgewogenes und volles Programm für alle vier Tage in der Arena, wo in kleinen Gruppen von 20 Personen das historische Kulturgut wie Handwerk, Musik, Tanz etc. erlernt werden kann. Bei dem langen Programm findet sicher jeder etwas, was zu den Interessen passt. Jeder Workshop dauert 90 Minuten und muss zuvor gebucht werden, es gilt sich also frühzeitig zu informieren und anzumelden, um neu erlangtes Wissen mit nach Hause zu nehmen.

Copyright: Pyrates

Das Gelände ist in zwei Bereiche unterteilt, zum einen die Goldbergbucht, wo neben den Piraten auch das Herrlager der Falkner zu finden ist sowie eine kleine Piratenbühne. Mit einem Kokosnussgetränk in der Hand kann man hier bei piratischen Klängen wundervolle Vögel ansehen und sich mit ihnen im Herrlager fotografieren lassen. Auch das Piratenschiff kann von den Besuchern betreten werden und liegt die ganze Zeit vor Anker.

Zum anderen liegt auf der anderen Straßenseite der Hauptbereich, wo sich die Schloss-, Burg- und Theaterbühne befinden sowie der Handels- und Handwerksmarkt. Dort kann täglich durch einzigartige Waren gestöbert werden, von Stoffen, Holzwaren, Leder, Glasware bis hin zu Musikinstrumenten, Figuren und Gewandung findet man hier was das Herz begehrt. Die tollsten Schmuckstücke sind oft schon in den ersten Tagen vergriffe, wird etwas Spezielles gesucht, sollte der Marktgang mit als erstes auf der Liste stehen.

Fotograf: Lutz

Auch bei den Schenken ist die Auswahl abwechslungsreich, ob vegan, vegetarisch oder mit Fleisch, hier wird jeder fündig, ebenso riesige ist auch das Angebot an den Tavernen: Bier, Schnaps, Wein, Longsdrinks sowie alkoholfreie Getränke, für jeden ist etwas dabei!

Wer eine Auszeit von den Klängen braucht, der kann sich im Literaturzelt niederlassen und sich den verschiedensten Lesungen widmen, einen Gang durch das Gruselkabinett wagen oder einfach auf einer Bank oder dem Rasen Platz nehmen und die Atmosphäre genießen.

Eines ist auf jeden Fall sicher: die Auswahl bei diesem Festival ist atemberaubend so das keinem langweilig wird und was ich besonders angenehm finde: Die Hauptbühnen spielen abwechselnd und nicht zeitgleich! Ihr habt von dem Festival noch nichts gehört? Denkt es liegt zu weit im Weg, denn Bayern ist ja nicht um die Ecke? Es sei euch gesagt: Es lohnt sich diese Reise nach Selb anzutreten und ein paar wunderbare Tage auf dem entspannten Mittelalterfestival der besonderen Art zu erleben.

Hier gelangt ihr zu den Tickets: Vorverkauf
Zur Website: Programm
~Dely
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Zurück auf dem MPS Bückeburg II

Am Wochenende war er wieder soweit, ich tauchte in die Figur der Yledia von Staffelstein ein und durfte mal wieder bei meiner Söldnerfamilie Rhodebrandt in Bückeburg eine Zeit verweilen, bis es wieder zu alten Verpflichtungen zurück in die Heimat ging. Am Donnerstag ging die Reise los und zum Glück gab es dieses Mal keinerlei Unterbrechungen auf der Reise, zügig kamen wir mit der Kutsche durch, so dass ich schon bald mein Hab und Gut abladen und mit dem Aufbau und Einrichten des Zeltes beginnen konnte. Eigentlich klingt alles perfekt, doch leider hatte ich mir eine Grippe eingefangen und so wurde jeder Schritt zu einer Last. Die Stangen waren schwer wie Stahl, die Kleider fühlten sich an wie Truhen voll Steine und mein Atem wurde mit jedem Schritt ach so schwer. Doch bis zum späten Abend schaffte ich es, meine Behausung aufgestellt und eingerichtet zu haben, so dass ich mich richtig wohl fühlen konnte und mich schon jetzt auf die erste Nacht in den kuscheligen Fellen freute.

Doch zunächst hieß es, die Familie zu begrüßen. Was eine Freude, so viele strahlende Gesichter, da war das matte Gefühl der Erkältung schon fast wieder verschwunden. Ein warmer Tee, noch eine Umarmung und so viele tolle Herz erwärmende Worte. Da fühlt man sich gleich wieder besser. Jedoch musste ich mich dann doch dem heißen Kopf beugen und mich recht früh nach intensivem Geflausche in mein Bett begeben, wo mein treuer Gefährt OhneZahn schon aufgeregt auf mich wartete.

Der nächste Morgen begann mit freudigen Sonnenstrahlen, morgendlichen Gesprächen und der Vorfreude auf den Nagelcup, welcher traditionell am Freitag auf dem MPS Bückeburg von meiner Familie ausgetragen wird. Nach einem gemütlichen Frühstück mit Medizin, Tee und etwas Brot schlenderte ich eine erste Runde über den Markt, besuchte ein paar befreundete Herrlager wie beispielsweise das Wandervolk und Liber Populus und beobachtete die Marktstände bei ihren letzten Vorbereitungen.

Gegen Nachmittag fand ich mich dann wieder bei Liber Populus ein und genoss die Zeit mit den wundervollen Hunden bei netten Gesprächen, bevor ich mich dann zum Nagelcup begab, um den fleißigen Teilnehmern zuzugucken und die Daumen zu drücken. Wie herrlich es doch aussah, dieses bunte Treiben um die Taverne herum, lachende, angespannte aber auch verärgerte Gesichter und viele Zuschauer, die den Trubel mit großer Neugierde und einem Bierchen in der Hand verfolgten. Am Ende wurde es immer spannender, als die Profis gegeneinander an einem Baumstamm antraten. Der Drache da selbst, Horris, Flip und Lars zusammen um den Sieg nageln zu sehen war durchaus ein Fest. Zum Ende hin steigte die Spannung dann nochmal, bis Flip den Nagel versenkte und somit als Sieger des Nagelcups 2018 den Gürtel überreicht bekam. Nun wurde noch etwas in Ruhe gefeiert, der Abend bei Wein und leisem Gesang ausgeklungen, um sich auf die Gäste vorzubereiten, die am Samstag auf das Festivalgelände gelassen wurden. Mit gelächert und tollen Worten in den Ohren schlief ich an diesem Abend sehr glücklich ein.

Es ist so wunderbar, solch großartige Menschen zu kennen und immer wieder in der Nähe zu wissen.

~Dely

MPS Veranstaltungen

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Fountainhead – Architektur und Gesellschaft im Zwiespalt

Im Thalia Theater wird derzeit das Stück „Foutainhead“ aufgeführt, welches sich um den Architekten Howard Roark dreht, der sein eigenes Verständnis von Architektur hat. Mit seiner radikalen Ansicht stößt er jedoch auf viele Gegenstimmen. Sein Freund und Kollege Peter Keating passt sich hingegen der Gesellschaft an und wird somit beliebt und erfolgreich. Bei den ganzen hitzigen Auseinandersetzungen um die Gebäude und den architektonischen Baustilen ist natürlich die Presse auch nicht weit, so nimmt die Architekturkritikerin Dominique Frencon eine ganz spezielle Rolle ein. Sie schreibt nicht nur ganz offen und direkt, was sie denkt, sie kommuniziert durchaus auch ihre radikalen Ansichten, passt sich offensichtlich jedoch der Gesellschaft an und ist insgeheim von Howard fasziniert und fühlt sich sehr zu ihm hingezogen. Da hingegen predigt der Journalist Toohey seine sozialistischen Ideen, hinter denen er zu 100% steht und ist ziemlich erfolgreich das Volk von jeglichem individuellem Denken abzubringen. Als sich auch noch der Medientycoon Gail Wynand einschaltet, bricht es in einem reinen Kampf der Größen aus.

Das Stück beruht auf den Aufzeichnungen von Ayn Rand, welche Fountainhead 1943 veröffentlichte, um ihrer Philosophie des Kapitalismus und der eindeutigen Ablehnung des Sozialstaates Luft zu machen und so zur Heldin der amerikanischen Konservativen wurde. Das Stück bearbeitet von Koen Tachelet wirkt zunächst verstörend, regt zum Nachdenken an und spukt noch lange in den Köpfen der Zuschauer. Das Bühnenbild ist an sich starr, verändert sich aber aufgrund von kleinen Elementen immer passend zu den dargestellten Situationen. Was zu Beginn als unklar und eigenartig gedeutet wird, klär sich mit der Zeit immer mehr auf, wird aber am Ende doch wieder in Nebel getaucht und regt zum Nachdenken an.

Besonders faszinierend sind für mich der Charakter von Howard und Dominique, welche besonders die Zerrissenheit der Gesellschaft aufzeigen. Howard, welcher mit seiner eigenen Ansicht der Architektur in der Gesellschaft dauerhaft aneckt, da er die Vorgaben der Natur in seine Planung mit einfließen lässt, anstatt die Gegebenheiten zu missachten und den gesellschaftlichen Wünschen zu entsprechen. Er setzt ein klares Statement, wodurch er zwar keine Jobs bekommt aber viel Aufmerksamkeit generiert. Ganz im Gegenteil wie Dominique, welche sich zwar mit ihrer Kritik immer wieder gegen andere Architekten und Gebäude auflegt, aber sich gesellschaftlich der Rolle der Frau nach außen hin fügt und eine vorbildliche Ehefrau spielt, innerlich jedoch total zerrissen ist, da sie sich vielmehr zu dem radikalen Howard hingezogen fühlt, aber weiß, dass es gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. Während sich Dominique also das Wissen um die Gesellschaft und ihre Weiblichkeit zu nutzen macht und dadurch gesellschaftliche Akzeptanz und Größe erreicht, so beugt sich Howard nicht der Gesellschaft und lebt lieber von der Hand in den Mund und bleibt sich selber treu.

Sehr schön ist an der Rolle von Peter zu sehen, wie die Gier nach Erfolg und Ansehen einen Menschen verändert und ihn zur Spielfigur der Gesellschaft macht. Mit dem Streben nach oben akzeptiert er gesellschaftliche Normen, die ihn eigentlich nicht glücklich machen und ihm vielmehr das eigentliche Glück verwehren. Je weiter er sich auf der Welle zum Erfolg tragen lässt, desto mehr gibt er seine Persönlichkeit auf, bis am Ende nichts mehr davon übrig ist.

Fountainhead ist ein herzberührendes Stück, welches sicher keine leichte Kost ist und zum Überdenken der eigenen Ansichten anregt. Sind wir den Medien und dem Ansehen der Gesellschaft so sehr verfallen, dass wir uns selbst dabei vergessen? Sind wir das was wir nach außen zu sein scheinen, um in der Masse der Gesellschaft anklang zu finden oder bewahrt man sich ein Stück individualität im inneren, unscheinbaren, welches man aber mehr zu verbergen versucht als zu offenbaren? Oder wiedersetzt man sich allem, steht zu den eigenen Normen und Regeln und eckt somit an und muss sich ständig rechtfertigen und mit dem negativen Echo der Zeit leben? Was macht uns mehr kaputt? Was macht uns glücklich? Viele Fragen, über welche man nach dem Stück definitiv nachdenkt und sich noch vielen anderen Fragen widmet.

Von mir gibt es hier eine klare Empfehlung für jeden, der gern zum Nachdenken angeregt werden möchte und sich dem Realismus nicht entziehen mg. Die Realität und das was hinter diesem Stück steht ist uns oft näher, als man es sich wünscht.

~Dely

Zum Stück: Fountainhead

Spielzeiten:

So,07.10.2018 19:00 – 23:05 Uhr
Do,22.11.2018 19:00 – 23:05 Uhr
Mi,02.01.2019  19:00 – 23:05 Uhr
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